Ein Wort: Würde 

Die Schale des Tees

 

Ein alter Meister saß mit seinen Schülern beim Tee. Ein junger Mann kam herein und begann laut über die Lehren des Meisters zu urteilen. Er kritisierte, stellte alles infrage und redete ohne Pause.

Der Meister hörte zu, sagte nichts und schenkte Tee ein.
Die Tasse des Gastes war längst voll. Der Meister goss weiter.

„Halt!“ rief der junge Mann. „Die Tasse ist voll. Da passt nichts mehr hinein.“

Der Meister stellte die Kanne ab und sagte ruhig

„So ist auch dein Geist. Voll von deinen eigenen Gedanken. Wie soll etwas Neues hineinpassen?“

Der junge Mann verstummte.

Der Meister lächelte und schob ihm die Teeschale hin.

„Wenn du lernen willst, beginne mit einer leeren Schale.“

 

Hast du ein paar Minuten Zeit, um dir eine Frage zu stellen:

 

„Was verbindest du mit dem Wort WÜRDE?“

Nimm dir gern eine Tasse Tee und setze dich kurz in die Sonne bevor du weiterliest.

Ich habe mir die Frage in den letzten Tagen häufig gestellt, denn ich war als Klientin bei einem Aufstellungstag mit eigenem Anliegen und am Ende meiner systemischen Aufstellung bekam ich das Wort WÜRDE geschenkt. Noch jetzt rührt es mich zutiefst an, wenn ich daran denke.

Würde hat für mich so eine immense, ruhige, innere und aufrichtige Kraft. Würde zeigt sich für mich vor allem im Verhalten von Menschen:

mit Respekt vor sich selbst
mit Respekt vor anderen
mit klaren Grenzen ohne Härte
mit Verantwortung für das eigene Handeln
mit der Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen aufrecht zu bleiben

Würde ist für mich nicht gleichzusetzen mit Stolz, Distanz oder Perfektion. Ganz im Gegenteil, ich darf würdevoll sein und gleichzeitig unperfekt, traurig, zweifelnd und auch scheiternd. Die Frage ist, wie gehe ich mit dem um, was sich zeigt.

Ich war in den vergangenen Wochen häufig sehr traurig, zweifelnd und bin es auch jetzt noch, da mein Vater rasant gesundheitlich abgebaut hat und vor zwei Wochen verstorben ist. Es war ein sehr würdevoller und heiliger Prozess, bei dem ich ihn begleiten durfte und ich war nie allein. So viele großartige Menschen und auch geistige Helfer innerhalb meiner Familie und außerhalb, die uns in dieser schwierigen Zeit begleitet haben – unfassbar, lichtvoll, geführt.

Nach der Beisetzung am vergangenen Freitag habe ich mich auf den Weg gemacht. Immer noch mit dieser Dankbarkeit in mir und dem Vertrauen, dass es wichtig ist, nach Köln zu fahren und mein Anliegen aufzustellen. Das habe ich gemacht und bin meiner Freundin Anja, die mir diese Empfehlung für diese Art von Familienaufstellung (Lebensintegrationsprozess nach Nelles) gegeben hat von Herzen dankbar. Friede ist seit dieser Aufstellung in mir. Ich bin klar, stehe aufrecht und meine Schale darf sich jetzt wieder ganz frisch füllen. Dank auch an meinen Mann, der kurzfristig mitgefahren ist, um bei mir zu sein an diesem wichtigen Tag.

In dem Sinne, bleib verantwortlich für dich und leuchte!

Und wie immer gibt es noch Tipps:

Wurzeln für Morgen – 10. Pioneers of Change Kongress

 UTA Akademie

 

Herzliche Grüße
Elke

Geh mit mir auf deine ganz eigene würdevolle Mutwanderung.