Die Grüne Diät
Dieses Jahr wollte ich zum Start ins Frühjahr eine Ayurveda-Kur zusammen mit meiner lieben Freundin Alice machen. Alice und mich verbindet die Liebe zu Indien und die Liebe zum Kundalini Yoga. Wir lernten uns 2015 in Indien kennen und sind seit dem eng befreundet. Alles war schon gebucht, das Visum beantragt und dann kam es anders. Das Auswärtige Amt gab eine Reisewarnung aus und wir stornierten unsere Reise. Frust. Und was nun? Ich entschied mich kurzerhand, die Grüne Diät zu machen, eine begleitende Ausleitungskur und für einen Besuch bei meiner favorisierten TCM Ärztin Isabel zur Unterstützung. Die geplanten Spaziergänge am Meer verlege ich jetzt einfach auf meine nächste Reise in den Süden.
Als Kundalini-Yogini habe ich das erste Mal 2012 im Rahmen meiner Ausbildung Erfahrung mit der Grünen Diät gemacht. Damals erhielten wir die Hausaufgabe 7 Tage Grüne Diät einzuhalten. Ich weiß es noch wie heute, wir dachten, das klappt niemals, wir werden verhungern. Was sollen wir denn essen? Wenn ich heute darauf zurückblicke muss ich herzhaft lachen. Wie sehr hat sich meine Ernährung und die Erfahrung mit diversen Fasten-Kuren seit dem geändert. Grün zu essen ist für mich heute gar kein Problem mehr. Das einzige, was mir jedes Mal noch etwas Kopfschmerzen im wahrsten Sinne bereitet, ist der Verzicht auf meinen geliebten Kaffee.
Ich habe mich mit meiner Freundin Catharina kurzgeschlossen. Sie ist Heilpraktikerin und Epigenetik Coach mit Schwerpunkt auf Healthy Aging und sie hat mir eine begleitende Ausleitungskur empfohlen (dauert insgesamt 45 Tage, aber zusammen mit der Grünen Diät habe ich sie angefangen). Jeden Freitagmorgen besuche ich Catharinas Early Bird Kundalini Yogakurs. Wir hatten schnell eine Gruppe von Frauen zusammen, die gemeinsam die Erfahrung der Grünen Diät machen wollten. Ich ging auf Kaffee-Entzug, was überraschend einfach war und wir begannen am Freitag vor der Karwoche mit unserem Experiment. Unterlagen und Rezepte wurden ausgetauscht, Tipps gegeben und los ging’s.
Du fragst dich vielleicht, worum genau es bei der Grünen Diät geht!
Die Grüne Diät ist eine vegane Reinigungsdiät aus dem Kundalini Yoga. Das Prinzip ist einfach: Du isst ausschließlich grüne Nahrungsmittel – so viel du möchtest. Sie wurde von Yogi Bhajan erstmals in den frühen 1980er Jahren empfohlen und ist eine sogenannte Monodiät, die sich besonders als Frühjahrskur eignet, aber zu jeder Jahreszeit durchgeführt werden kann. Die übliche Dauer liegt zwischen 7 und 40 Tagen.
Chlorophyll ist das „Blut“ der Pflanzen – es dient der Pflanze zur Energiegewinnung aus Sonnenlicht und ist dem menschlichen Hämoglobin in seiner Struktur sehr ähnlich. Je mehr grüne Nahrung wir essen, vor allem grünes Blattgemüse, desto mehr Chlorophyll nehmen wir auf. Chlorophyll stärkt die Sauerstoffaufnahme im Blut, kann zum Teil in rote Blutkörperchen umgewandelt werden und hilft, Giftstoffe zu neutralisieren und auszuscheiden – es kann beispielsweise Schwermetalle binden.
Sie ist vor allem eine Entschlackungs- und Reinigungsdiät. Sie macht den Körper basischer, hilft bei Verschleimung und reinigt die Leber und die Haut. Gleichzeitig erhält das Ausscheidungs- und Verdauungssystem eine Pause von all den Dingen, die man sonst isst – und hat damit die Gelegenheit, angelagerte Giftstoffe auszuscheiden.
Es geht bei der Grünen Diät nicht primär ums Abnehmen, sondern um ein neues Bewusstsein für Lebensmittel und um Reinigung auf körperlicher und emotionaler Ebene.
Zu Beginn der Diät können Entgiftungserscheinungen auftreten. Das ist ein gutes Zeichen – dein Körper hat jetzt die Gelegenheit, abgelagerte Giftstoffe abzubauen. Diese werden zuerst in deinem System freigesetzt, bevor sie ausgeschieden werden können.
Mögliche körperliche Symptome sind: Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, allgemeines Unwohlsein und Abgeschlagenheit. Auch deine Verdauung kann sich verändern – Durchfall oder Verstopfung, Blähungen, aufgeblähter Bauch oder Magenschmerzen sind möglich. Das liegt zum einen an der Ausscheidung der Giftstoffe und zum anderen an der Umstellung deiner Verdauung auf die neue Ernährung.
Auch auf emotionaler Ebene „entgiftest“ du. Wir alle nutzen Essen als Kompensation – sobald diese wegfällt, kommen die entsprechenden Emotionen und Gefühle hoch. Das kann sich zeigen als Ärger, Wut, Gereiztheit, Trauer oder das Gefühl, „nah am Wasser gebaut zu sein“. Wie damit umgehen?
Mach weiter! Die Symptome sind dein Zeichen, dass etwas in Bewegung kommt. Veränderung passiert – und hinterher wird es dir besser gehen. Die Entgiftungserscheinungen dauern in der Regel zwischen 1 und 3 Tagen. Sie gehen vorbei, und danach wirst du dich besser fühlen.
Du bist schlapp, müde, antriebsarm und willst aufhören? Das sind ebenfalls vorübergehende Entgiftungserscheinungen. Dein Körper braucht zuerst viel Energie, um die Giftstoffe auszuscheiden. Nach wenigen Tagen wirst du dich leichter und energetischer fühlen als vorher.
Ein Tipp: Schreibe ein Diät-Tagebuch. Es hilft, alles genau festzuhalten und so zu verarbeiten.
Es hilft sehr, wenn du dich ein wenig auf die Diät vorbereitest, bevor du startest.
Vorbereitung: Beginne schon in der Woche vor dem eigentlichen Start, folgende Nahrungsmittel zu reduzieren: Fleisch, Milchprodukte, Zucker aller Art, Weizen und stärkehaltige Produkte, Kaffee, Schwarztee, Alkohol und Zigaretten. Vor allem mit Kaffee und Schwarztee vorher aufzuhören hilft enorm, da sonst Koffeinentzug und Ernährungsumstellung gleichzeitig auf dich einwirken.
Beginne gleichzeitig, jeden Tag einige grüne Elemente in deine Ernährung einzubauen. Mache jede Mahlzeit etwas grüner oder ersetze eine ganze Mahlzeit. So kannst du auch schon Rezepte ausprobieren. Das mildert die Umstellungs- und Entgiftungserscheinungen deutlich.
Organisiere deinen Alltag
Wenn möglich, lege die Grüne Woche so, dass du einige Tage frei nehmen kannst oder weniger arbeiten musst. Das ist nicht zwingend, aber es hilft. Plane passende Aktivitäten ein – Saunabesuche, Massage, Walken, Spazieren, Joggen im Freien, Yoga, Schwimmen. Gehe möglichst wenige soziale Verpflichtungen ein, die dich von der Diät abhalten könnten – oder richte dich darauf ein, wie du eine Feier mit der Grünen Diät vereinbaren kannst.
Einkaufen und Küche vorbereiten
Kaufe vorab grüne Nahrungsmittel ein und probiere einzelne Rezepte aus – Salate, Suppen, Eintöpfe, gedünstetes Gemüse. Leere deinen Kühlschrank von allem, was du in der Grünen Woche nicht essen wirst. Achte darauf, dass keine „Verführer“ wie Schokolade, Kekse, Brot, Käse oder Alkohol in deinen Schränken stehen.
Lege Dauer und Zeitraum fest
Bestimme den Beginn und das Ende deiner Grünen Diät. Vielleicht möchtest du dir offen halten, wie lange du grün essen wirst – dann lege zumindest eine Mindestanzahl an Tagen fest. Üblich sind 7, 10 oder 40 Tage.
Such dir Mitstreiter!
Die Grüne Diät macht gemeinsam viel mehr Spaß und fällt leichter. Such dir eine Freundin, einen Freund oder eine Gruppe, die mitmacht. Ihr könnt euch gegenseitig motivieren, Rezepte austauschen und durch schwierige Momente tragen. Vielleicht bietet auch dein Yogazentrum eine begleitete Grüne Diät an. Super wäre es, wenn auch eine passende Yoga-Übungsreihe oder Meditation deine Erfahrung begleiten. Ich hatte während meiner 7-Tage-Diät das Glück selbst in meinem Kurs eine passende Kriya anzubieten und gleichzeitig bei Catharina und Atma Singh mitzumachen.
Mahlzeiten im Alltag
Du kannst deine Mahlzeiten so beibehalten, wie du es gewohnt bist. Vielleicht brauchst du mehr Zwischenmahlzeiten, weil du schneller wieder hungrig wirst. Stelle sicher, dass du immer süßes Obst, Gemüsesticks, frischen Saft oder Grüne Smoothies als Zwischenmahlzeit zur Hand hast. Plane rechtzeitig, was du während deiner Arbeitszeit essen kannst, und sorge dafür, dass du genug davon bei dir hast. Bei Problemen mit dem Blutzuckerspiegel helfen Grüne Smoothies oder auch ein Apfel bei Zimmertemperatur, langsam gekaut. Bei großem Hunger helfen Avocados und Hülsenfrüchte.
Optional – Mahlzeiten nach dem Verdauungszyklus
Wenn du möchtest, kannst du deine Mahlzeiten dem natürlichen Verdauungszyklus des Körpers anpassen: Morgens zwischen 4 und 12 Uhr nur sehr leicht oder nur Flüssiges essen (Zyklus der Ausscheidung). Zwischen 12 und 20 Uhr so viel und so oft du möchtest, z.B. zwei Hauptmahlzeiten vor 18 Uhr und zwei Zwischenmahlzeiten (Zyklus der Nahrungsaufnahme). Zwischen 20 und 4 Uhr nach Möglichkeit nichts essen (Zyklus der Verwertung).
Trinke bewusst viel: 1 bis 2 Liter gutes Quellwasser am Tag, möglichst ohne Kohlensäure und gerne erwärmt.
Empfohlene Getränke
Kräutertees eignen sich hervorragend – viele haben eine entgiftende Wirkung. Besonders empfehlenswert sind Pfefferminze, Melisse, Brennnessel, Verbene (Eisenkraut) und Lemongras. Auch Grüner Tee ist eine gute Wahl und unterstützt die Stärkung von Leber und Niere.
Grüne Säfte, am besten frisch zubereitet, sind eine wunderbare Ergänzung: Gurkensaft, Sauerkrautsaft, Salatsaft, Staudensellerie-Saft oder Weizengrassaft. Für den Geschmack kann grünes Obst zugefügt werden.
Grüne Smoothies sind ursprünglich nicht Teil der klassischen Grünen Diät, haben sich aber als hilfreiche Ergänzung etabliert. Sie eignen sich hervorragend als Zwischenmahlzeit, besonders für alle, die Probleme mit Hunger oder dem Blutzuckerspiegel haben. Auch sehr gut geeignet für unterwegs oder bei der Arbeit. Beginne mit zweimal täglich einem kleinen Glas – dein Körper und deine Verdauung müssen sich erst an diese rohe Nahrung gewöhnen. Esse möglichst 30 bis 40 Minuten vor und nach deinem Smoothie nichts.
Ein oft übersehener Tipp: Auch das Dünst- bzw. Kochwasser von Artischocken, Spargel, Brokkoli und anderem grünen Gemüse lässt sich als wärmende Brühe trinken.
Was du meiden solltest
Bitte verzichte auf Kaffee, Schwarztee und Alkohol während der gesamten Diät.
Beispielrezepte:
Frühstück: Gedünstete Birnen und Äpfel mit Rosinen
Zutaten:
- Birnen
- Äpfel
- Rosinen
Zubereitung:
Birnen und Äpfel in Stücke schneiden und sanft dünsten. Rosinen untermischen. Warm servieren.
Mittagessen: Mungbohnensuppe
Zutaten:
- 2 Tassen grüne Mungbohnen
- 1 Zwiebel, feingehackt
- ½ TL frischer Ingwer, gerieben
- 1 TL Kreuzkümmel, gemahlen
- 1 TL Koriander, gemahlen
- 2 Prisen Asafoetida
- 1 TL Kurkuma
- 2 TL Ghee (oder Sesamöl)
- 3 Curryblätter oder 2 Lorbeerblätter
- Schwarzer Pfeffer
- 1 TL Garam-Masala
- 1 EL Zitronensaft
- Frischer Koriander oder glatte Petersilie
Zubereitung:
Die Mungbohnen für 6–8 Stunden in Wasser einweichen und anschließend im Sieb gründlich abspülen. Die feingehackte Zwiebel und den geriebenen Ingwer mit Kreuzkümmel, Koriander, Asafoetida und Kurkuma im heißen Ghee leicht anrösten. Die Mungbohnen dazugeben und etwas andünsten, danach mit der 6- bis 8-fachen Menge Wasser auffüllen. Die Curry- oder Lorbeerblätter hinzufügen und das Gericht für rund 30 bis 40 Minuten leicht köcheln. Die Curry- bzw. Lorbeerblätter aus dem Topf fischen, bevor die Suppe mit dem Pürierstab cremig verarbeitet wird. Mit Pfeffer, Garam-Masala und Zitronensaft abschmecken. Vor dem Servieren mit feingehacktem Koriander oder glatter Petersilie bestreuen.
Abendessen: Gegrillte Zucchini mit Olivenöl, Rosmarin und Petersilie
Zutaten:
- Zucchini
- Olivenöl
- Rosmarin
- Petersilie
Zubereitung:
Zucchini in Scheiben schneiden und braten/grillen. Mit Olivenöl beträufeln und mit Rosmarin und Petersilie würzen.
Hast du Lust bekommen, es auch einmal auszuprobieren? Melde dich bei mir, ich habe ein Booklet ausgearbeitet mit weiteren Buchtipps und interessanten Webseiten. Ich habe viele Rezepte zusammengetragen und eine Vorlage für ein begleitendes Tagebuch erstellt! Ich schicke es dir gern.